Hier möchte ich euch eine sehr inspirierende Metapher von Orison Swett Marden ans Herz legen.

Viel Spaß, Euer Marcel

Ein junger Löwe, so erzählt man sich, war eines Tages allein im Wald spielen, während seine Mutter schlief. Als plötzlich unterschiedliche Beobachtungen im Wald seine Aufmerksamkeit auf sich zogen, dachte der junge Löwe, er könnte ein wenig auf Entdeckungsreise gehen und sich anschauen, wie die große, weite Welt fern von seinem Zuhause aussieht. Bevor er es aber realisieren konnte, war er schon so weit weg gelaufen, dass er seinen Weg nicht mehr zurück finden konnte. Er war verloren.
Äußerst verängstigt lief der junge Löwe verzweifelt in jede Himmelsrichtung und schrie Mitleidserregend nach seiner Mutter, aber seine Mutter antwortete nicht. Erschöpft von seiner Wanderschaft wusste er nicht, was er tun sollte, als urplötzlich ein Schaf, dessen Nachwuchs verloren ging, seine mitleidsvollen Schreie hörte, sich mit ihm befreundete und den verlorenen gegangenen Löwen adoptierte.

Das Schaf lernte schnell sein Findelkind zu lieben, welches in so kurzer Zeit zu einer beachtlichen Größe heranwuchs, so das es teilweise schon richtig Angst vor ihm hatte. Oftmals bemerkte sie auch ein seltsamen, stark abweichenden Blick in seinen Augen, den sie nicht verstehen konnte.

Die Adoptivmutter und ihr Adoptivkind lebten sehr glücklich miteinander, als eines Tages ein prächtiger Löwe erschien, der auf der Spitze eines gegenüberliegenden Hügels scharf gegen den Himmel gezeichnet stand.
Er schüttelte seine gelbbraune Mähne und stieß einen furchterregenden Brüller aus, der durch die Hügel schallte. Die Schafmutter stand zitternd und gelähmt vor Angst da.

Aber in dem Moment, als dieser fremdartige Klang die Ohren des jungen Löwen erreichten, nahm er gebannt wahr, dass er ein seltsames Gefühl, das er noch nie zuvor erlebt hatte, durch sein Inneres schoss und er vor Aufregung zitterte.
Das Brüllen des Löwen hatte etwas in ihm berührt, das niemals zuvor berührt worden war. Eine neuartige Kraft stieg in ihm auf, die er niemals zuvor gefühlt hatte. Nicht nur neue Wünsche, sondern auch ein seltsames neues Machtbewusstsein nahmen von ihm Besitz. Ein neues Wesen kam in ihm zum Vorschein und instinktiv, ohne darüber nachzudenken, was er tat, antwortete er dem Ruf des Löwen mit einem entsprechenden Brüller.

Ein zittern gepaart mit Angst, überrascht und verwundert über die neuen Kräfte, die in ihm aufstiegen, warf das erwachte Tier in ihm, seiner Pflegemutter einen herzergreifenden Blick zu und dann, mit einem gewaltigen Sprung, lief er dem Löwen auf dem Hügel entgegen.

Der verloren gegangene Löwe hatte sich wiedergefunden. Bis jetzt hatte er um seine Schafmutter wie ein Lamm herumgetanzt, das sich zu einem Schaf entwickelt und niemals davon geträumt, dass er etwas tun könnte, was seine Gefährten nicht tun können oder dass er mehr Kraft besitzen würde, als ein gewöhnliches Schaf.

Er hätte niemals gedacht das in ihm eine Kraft herrscht, mit welcher er der König des Dschungels sein könnte. Er dachte lediglich das er einfach nur ein Schaf sei, und würde wegrennen wenn sich ihm ein Hund nähert und erzittern beim heulen der Wölfe.

Nun war er verblüfft zu sehen, dass die Hunde, die Wölfe und die anderen Tiere, welche ihm zuvor so viel Angst einflößten, vor ihm flüchteten.

Aber solange dieser Löwe gedacht hatte, dass er ein Schaf war, war er auch genauso ängstlich und zurückhaltend wie ein Schaf. Er hatte nur die Stärke eines Schafs und nur den Mut eines Schafs und unmöglich konnte er die Stärke eines Löwen zur Geltung bringen. Falls ihn jemand auf so etwas hingewiesen hätte, hätte er nur gesagt: „Wie kann ich die Stärke eines Löwen zur Geltung bringen? Ich bin nur ein Schaf und wie jedes andere Schaf. Ich kann nicht tun, was sie auch nicht tun können.“ Aber als der Löwe in ihm empor stieg, wurde er sofort zu einer neuen Kreatur, König des Waldes, keine Rivalen mit Ausnahme des Tigers und des Panthers. Diese Erkenntnis verdoppelte, verdreifachte und vervierfachte seine bewusste Macht, eine Macht, die ihm nur eine Minute bevor er das Brüllen des Löwen hörte, nicht möglich war, zur Geltung zu bringen.

Aber ohne das Brüllen des Löwen auf dem entfernten Hügel, das den schlafenden Löwen ihn ihm erweckte, hätte er das Leben eines Schafes weitergelebt und hätte vielleicht niemals in Erfahrung gebracht, dass ein Löwe in ihm schlummerte. Das Brüllen des Löwen hatte nichts zu seiner innewohnenden Stärke beigetragen, es hatte ihm keine neue Macht gegeben; es hatte lediglich ihn ihm erweckt, was SOWIESO schon vorhanden war, lediglich die Macht offenbart, die er bereits besessen hatte. Nie wieder, nach so einer erstaunlichen Entdeckung, konnte dieses junge Tier mit dem Leben eines Schafsleben zufrieden gestellt werden. Das Leben eines Löwen, die Freiheit eines Löwen, die Macht eines Löwen, der Dschungel danach für ihn.

In jedem einzelnen Menschen schlummert ein schlafender Löwe. Es ist nur die Frage, ihn heraufzubeschwören, eine Frage, ob etwas passiert, das ihn in uns erwecken wird, die Tiefen unseres Seins hervorrufen und die schlummernde Kraft in uns empor bringt.
So wie der junge Löwe einst entdeckt hat, dass er ein Löwe ist, würde er nie wieder mit dem Leben eines Schafs zufrieden gestellt werden können. Genauso sind wir Menschen nicht mehr zufrieden, das Leben eines niederen irdischen Geschöpfes zu führen, sobald wir einmal erkannt haben, dass wir mehr als Menschen, dass wir göttlichen Geschlechts sind. Da schwellt uns eine neue Kraft, von der wir zuvor keine Ahnung gehabt hatten, und wir können nie mehr sein, wie zuvor, können uns nie mehr mit niedrig gesteckten Zielen, mit billigem Erfolg begnügen. Von da an werden wir immer nach Höherem streben; wir werden nach oben schauen und uns höher und immer höher gesteckten Zielen zuwenden.

Jede Entdeckung von neuen Gaben und Kräften in uns ist uns ein Antrieb zu neuem Streben, neuem Schaffen.
Die Erfahrung vieler Menschen, aus denen ein unendlich viel größerer Mann wurde, als sie je selbst geahnt hätten, sollte uns lehren, dass in jedem Menschen, wie erfolgreich er auch sein möge, doch immer noch riesige unentdeckte Möglichkeiten schlummern.

Der Mensch, der zu sein du fähig bist, nicht der Mensch, der du bist, das ist das Wichtigste für dich.
So mache doch den Versuch, den möglichen Menschen in dir herauszubringen. Du weißt recht wohl, dass du dies noch niemals bis zu den äußersten Grenzen getan hast. Warum nimmst du dir nicht vor, diesen riesigen Rückhalt, diese mächtige Hilfsquelle, diese gefesselten Fähigkeiten, die du noch niemals freigelassen hast, ins Spiel zu bringen? Du weißt, dass sie da sind, du fühlst sie unbewusst in dir. Du ahnst, deine innere Stimme, dein Ehrgeiz sagen dir, dass ein viel größerer Mensch in dir steckt, als du bisher je hast in Tätigkeit kommen lassen. Warum weckst du ihn nicht, warum rüttelst du ihn nicht auf? Warum steckst du die Lunte nicht an und lässt diese Riesenmine sprengen?

Das Auffinden der größeren Möglichkeiten im Menschen, des Ungenützten, des Unentdeckten, das ist die Aufgabe des NEUEN DENKENS. Vielleicht liegt dieses Ungenützte, Unentdeckte unter allerlei Schutt begraben – Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen, Zaghaftigkeit, Furcht, Sorgen, Unsicherheit, Angst, Hass, Eifersucht, Rachsucht, Neid, Selbstsucht. Aber dies alles wird durch das richtige Denken ausgeglichen und unwirksam gemacht.

Die Menschheit braucht Männer, die ihr Begeisterung einzuflößen vermögen, viel notwendiger als große Gesetzeskundige, Ärzte, Priester oder Staatsmänner, einen Sokrates, einen Goethe notwendiger als Eisenbahn- oder Stahlkönige und große Börsenbarone.
Wer einmal die Macht, die in ihm ruht, die riesigen Möglichkeiten, die noch nie in Wirklichkeit gesetzt wurden, über allen Zweifel hinaus erprobt hat, dem wäre es unmöglich, sich je wieder mit dem halben Leben, das er seither geführt hat, zu begnügen, seine ganze neuentdeckte Natur würde sich dagegen sträuben, zu dem niedrigeren Lebensplan zurückzukehren, nach dem sein schwächeres, geringeres Selbst gelebt hatte.

Du bist vielleicht unter Bedingungen aufgewachsen, die dir die Möglichkeiten in dir verhüllten, bis durch irgendetwas ein neues Licht auf deine wahre Natur geworfen wurde. Dabei hast du entdeckt, dass du nicht das zahme, zaghafte Geschöpf bist, wofür du dich gehalten hattest, bis das Eine geschah, das den Löwen in dir erweckte.

SANYO DIGITAL CAMERA

Tritt ein Problem in unserem Leben auf, so gibt es zwei Möglichkeiten dieses Problem anzugehen. Einmal aus der Denkweise des Opfers, und andererseits aus der des Gestalters.

Auf beide Persönlichkeitstypen möchte ich in diesem Beitrag genauer eingehen.

Eine große Anzahl von Menschen lebt unterbewusst die Opferrolle, ohne dies bewusst zu merken. Bei einem Problem, einem widrigen Umstand oder einer Auseinandersetzung, sehen sich diese Menschen in der Rolle des Opfers und beklagen sich über alles und jeden. Anstatt selbst aktiv Einfluss auf das eigene Leben zu nehmen, verharren sie in einer passiven Haltung und beschweren sich darüber das sich nichts ändert. Jeder andere wird für das unzufriedene Befinden, für den Schmerz, das Gefühlschaos, den Kummer usw. verantwortlich gemacht. Schuld sind immer die äußeren Einflüsse, Eigenverantwortung wird strikt abgelehnt. Es ist natürlich auch viel einfacher nach Schuldigen für das eigene Wohlbefinden zu suchen, anstatt bei sich und seiner Denkweise zu beginnen. Besonders deutlich wird dies in modernen Partnerschaften. Vor allem dann wenn beide Partner die Opferrolle verinnerlicht haben. Das Resultat sind Beschuldigungen, Drama, Eifersuchtsszenen, Kontrollanrufe, Verlustängste und vieles mehr.

Keiner ist in der Lage eine Entscheidung zu treffen und die Beeinflussbarkeit von Außen ist groß.

Beide nehmen sich die Luft zum Atmen, sehen in allem und jedem eine Gefahr, sind auf die Bestätigung des anderen angewiesen und machen ihr ganzes Lebensglück vom Partner abhängig. Eine ganz gefährlich Situation.

Nun aber zum Gegenteil, dem des Gestalters. Der Gestalter ist aktiv, er nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. Probleme sieht er als Herausforderung an. Er befindet sich in einem stetigen Lernprozess. Der Gestalter hat eine Vision, eine Vision die er sich zum übergeordneten Ziel gesteckt hat. Der Gestalter spricht offen Dinge an die ihn stören, ohne Angst die entsprechende Person zu verlieren. Er benötigt weder die Anerkennung von außen, noch ist er Bedürftig. Er versucht sich stets zu verbessern und macht nicht alle anderen für seine Probleme verantwortlich. Er gestaltet eben aktiv sein Leben. Respekt und Wertschätzung sind zwei besonders ausgeprägte Merkmale des Gestalters.

Wenn sie sich nun selbst in der Opferrolle wiedererkannt haben, so ist dies der erste Schritt für eine Veränderung. Sie haben das Problem erkannt und können nun aktiv daran arbeiten ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten.

Verbringen Sie Zeit mit Gestaltern, lassen sie sich inspirieren und gemeinsam eine Vision finden.

Helfen Sie als Gestalter anderen dabei deren Ziele zu erreichen. Denn es gibt kaum etwas Schöneres als gemeinsam zu wachsen und seine Ziele zu erreichen. Dies ist auch zugleich der Schlüssel für eine harmonische Partnerschaft.

Danke für die Aufmerksamkeit

Euer Marcel